der Reichtum des Lebens

Bis vor wenigen Wochen dachte ich noch, ich gehöre zu den ärmsten Menschen der Nation, weil ich halt nicht Reich an Geld und Wertsachen war. Nun habe ich verstanden, dass ich sehr wohl reich bin. Mein Reichtum heißt Erfahrung.

In meiner neuen Lebenssituation treffe ich regelmäßig neue, interessante Menschen und komme in einen regen Austausch. Erfahren habe ich, dass es Menschen gibt die ihr ganzes Leben deutlich ärmer waren und nur wenig außerhalb ihrer Welt erlebten. Mir fiel auf, dass ich gegenüber meinem Mitbewohner deutlich mehr Reichtum besaß, nicht nur Materiell. Wir, also meine Eltern, mein Bruder und ich sind jedes Jahr mindestens 1 Mal in Urlaub gefahren, haben mindestens 1x im Jahr das Miniatur Wunderland in Hamburg besucht und haben gemeinsam mit meiner Schwester viele Ausflüge in die Region unternommen. Mindestens 1x im Monat waren wir bei meiner Oma, die etwa 40km weit weg wohnte. All diese Erfahrungen hat mein Mitbewohner nur in einem geringen Maß erlebt. Seine Familie hat(te) dafür einfach nicht das Geld.

Aber auch andere Erfahrungen, sei es negativ oder positiv, durfte ich machen und dazu lernen. Und ich behaupte mit Glück nie Erfahrung mit Drogen gemacht haben zu müssen und auch nur selten Alkohol zu mir zu nehmen. Dennoch lehrt uns das Leben so viele Dinge, beginnend damit, dass die Welt nicht so Rosafriedlich ist wie wir es in Kindertagen erlebten bis hin zu der Einsicht, welcher mir erst jetzt kam, dass man Dankbar für das sein darf, was man hat(te).

Ich musste schmerzlich am eigenen Leib erfahren, wie Mobbing und Mutismus einen in die tiefste, suizidale Depression stürzen können, wie man diese mehr als 15 Jahre aushalten muss und das einem nicht geglaubt wird, wenn man nicht mehr kann. Dennoch durfte ich erfahren, dass man in dieser Zeit auch positive Dinge erleben darf, dass man sie aber erst viel zu spät wahrnimmt. Ich bin glücklich für die Familie die ich habe, für meine Freunde, bin glücklich das ich nie Gewalt erleben musste und meine Eltern keiner Sucht verfallen waren.

Worüber ich hier schreibe, ist das Leben. Es geht Bergauf und Bergab und meistens können wir in den schweren Phasen unser Glück nicht sehen, dennoch ist es da und wir sollten versuchen nur dies zu sehen. Im Juni hat sich mein Leben komplett geändert, durch eine neue Wohnsituation und neuen Menschen um mich herum löste sich die Depression auf, ich bekam neuen Mut und neue Kraft etwas zu tun. Mein Kopf entwickelte neue, eigene Pläne. Es ist als sei ein Wunder geschehen. Gott gab mir ein Lächeln zurück!

Auch nach dieser Veränderung blieben tiefen nicht aus, das erste Mal das ich weinte und mich schlecht fühlte, war im August. Meine Probleme wurden zwar weicher, aber verschwanden nicht einfach. Ein großes Thema was mich beschäftigte war der Drang mich aus dem Internet auszuklinken und endlich das zu tun, wozu ich Lust hatte. Also beschloss ich spontan am 29. August Facebook zu verlassen und deaktivierte meine Konten. Bis zum 28. September war ich ja immerhin noch über WhatsApp erreichbar, welches ich dann allerdings auch löschte. Ob ich meine Freunde im Stich ließ mit diesen Schritten? Nein. Endlich spürte ich, wer meine wirklich wahren, echten Freunde sind, die die mit zogen, denen es egal ist, dass ich ab jetzt nur noch per SMS erreichbar bin. Mit jedem dieser Schritte verlor ich einen Teil meiner Last, denn ich lebte seit 2011 ständig – also rund um die Uhr im Internet, war oft sogar mehr als 18h/Tag online und quasi immer erreichbar. Nun, ganz ehrlich, so etwas benötige ich nicht mehr.

Natürlich fiel es mir nicht so leicht, wie man es hier liest. Facebook zu verlassen tat noch 2 Wochen danach „weh“, denn ich konnte nicht mal eben gucken was meine „Freunde“ taten, ich konnte ihnen nicht einfach spontan schreiben (weil kaum einer eine SMS-Flat hat) und überhaupt war ich sehr abgeschnitten. Doch genau das wollte ich! Meinen Internetkonsum drastisch reduzieren. Und ich tat es. WhatsApp zu verlassen war sogar leichter als gedacht (bisher), denn denen ich bei WhatsApp stetig schrieb, denen kann ich auch eine SMS schreiben. Wie mein „Experiment“ weiter verläuft werde ich berichten.

Mein Anliegen in diesem Beitrag liegt darin, anderen zu sagen und zu zeigen, wie schön das Leben sein kann. Selbst als Autist gehänselt, bedrängt, bedroht und verprügelt worden, ab in die Depression geschickt und erst viele Jahre später befreit, weiß ich um das Bedürfnis nach Ruhe und Frieden. Wir sollten uns die schönen Dinge raussuchen und den Rest vergessen, das Leben ist zu kurz um traurig zu sein. Wenn du etwas ändern willst, mach es, denn Mauern wird es immer geben, aber man kann sie überwinden. Und ganz wichtig: egal wie blöd die Situation auch sein mag, es gibt immer etwas positives darin, sei es das du lebst und atmest. Sei auch mal Egoist, auch wenn die Situation nicht passend ist, denn sonst verliert man sich. Und die Religion, Herkunft und Sexualität ist wurscht, so lange du im Herzen rein bist und andere Menschen friedlich leben lässt!

One Reply to “der Reichtum des Lebens”

  1. es freut mich, dass du deinen weg gehst 🙂

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