Wohnungsnot

Mit meinem Bruder zusammen suche ich seit 3 Monaten eine gemeinsame Wohnung. Drei Zimmer mindestens 70m², Balkon oder Terasse und wenn es geht einen Waschmaschinenanschluss in der Wohnung. Klingt das unrealistisch? Eigentlich nicht. Doch seit ein paar Jahren ist die Wohnungsnot groß und wird immer größer. Immer mehr Menschen wollen in die Großstädte ziehen und genau dort gibt es keinen Wohnraum mehr.

Wenn ich morgens den Laptop anschalte und nach Wohnungen suche finde ich mich oft sehr schnell in einer deprimierten Lage wieder. Es gibt zum Teil nicht einmal 10 Wohnungen in ganz Bremen, welche unsere, wie ich finde sehr geringen, Anforderungen entsprechen. Und wir haben Geld, sehr viel sogar. Vor ein paar Jahren hätten wir mit dem Geld locker ein Haus mieten können – inklusive Garten und mitten in der Stadt. Meine Mutter, ebenfalls auf Wohnungssuche, hat gerade mal die Hälfte zur Verfügung und sie sucht ähnlich wie wir eine 3 Zimmer Wohnung mit Badewanne… Sie verzweifelt noch mehr als mein Bruder und ich.

Doch selbst wenn wir eine geeignete Wohnung finden, bleibt immer noch: ich bin Schwerbehindert und nicht Erwerbsfähig, beziehe also Grundsicherung (nicht ALG) und genau das sehen viele Vermieter nicht gerne. Oft überwiegen hier die Vorurteile von zu lauten, unzuverlässigen Mietern. Dazu zähle ich nicht, meine Miete kann sogar das Amt (fSD) direkt an den Vermieter bezahlen – so würden nicht einmal Mietschulden entstehen. Doch das interessiert die wenigsten. Unser Vater würde bürgen. Auch das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Insgesamt beziehen mein Bruder und ich ein Einkommen von über 2000€ wovon 1000€ für Wohnung bezahlt werden könnte. Bremen ist keine Luxusstadt, die Mieten sind oft noch moderat. Aber sie steigen und steigen. Wenn wir beide schon keine Wohnungen finden, wie soll das meine Mutter machen?

Alleine eine Wohnung für mich zu finden ist genauso schwierig. 1-3 Zimmer, mindestens 35m², maximal 60m², Balkon oder Terrasse – innerhalb der Stadtgemeinde (nicht Nordstadt). Ich finde immer wieder welche, aber entweder steht direkt in der Anzeige, dass keine Sozialhilfeempfänger erwünscht werden, es wird einem, zum Teil in sehr unfreundlichem Ton, am Telefon gesagt oder man bekommt gar keine Antwort auf Mails.

Und so geht es fast allen Menschen die in und um Bremen herum eine Wohnung suchen – egal welchen Alters, welches Einkommen und welche Herkunft. Warum wird so wenig gegen diese Missstände unternommen? Warum werden Alternative Projekte kaum unterstützt und ausgebaut? Und warum stehen so viele Wohnungen in Ostdeutschland leer?

Ja richtig, in Ostdeutschland herrscht leere. Wie überall auf dem Land zu sehen sind sogar manche Großstädte im Osten auf der Suche nach neuen Bürgern. Zum Vergleich mal ein Beispiel: Anfang 2017 habe ich in Bremen 26 Wohnungen gefunden die von der Beschreibung her gepasst hätten. In Halle an der Saale waren es fast 700…

Und die alternativen für mich? Wenn ich das Geld hätte wäre ich schon lange in ein Wohnmobil umgezogen. Tatsächlich ist es ein Wunsch von mir, denn es bietet viele Vorteile:

  • man zahlt keine Miete, keine Nebenkosten und auch keine Heizkosten; stattdessen zahlt man Steuer, Versicherung und die Anschaffung (würde bei einem kleinen Transporter etwa 150€/Monat ausmachen; bei den großen Wohnmobilen etwa 350€/Monat zzgl. Sprit und Reparaturen)
  • man kann überall hinreisen, überall wohnen und ist weder gebunden noch gezwungen
  • der kleine Raum hat den Vorteil, dass man weniger hat, viel aussortieren muss und vor allem weniger haben kann – für mich ein Luxus den ich bisher nicht umgesetzt bekomme
  • man hat keinen Vermieter und keine Nachbarn
  • das Internet kann nicht mehr so stark genutzt werden, was für mich zwar schwierig ist aber auch ein Wunsch

Doch die Anschaffung ist zu groß und man bekommt nur dann die Kosten vom Amt erstattet, wenn man einen festen Platz auf einem Campingplatz (etc.) hat. Daher leider eine wohl ewig unwirkliche Vorstellung.