Timo Ewald

Jeder hat eine Geschichte, dies ist meine!

Monat: Februar 2017

Erwürgt von eigenem Konsum

Ich habe alles! Ich wohne in einer Villa, bekomme genug Geld zum Leben, habe einen Computer, Laptop, Smartphone, Handy, Fernseher, Drucker, Spielekonsolen,  habe das Glück ein warmes Bettchen zuhaben und morgens nicht unbedingt aufstehen zu müssen. Ich besitze soviel Schrott und Mülle mein Zimmer regelmäßig zu… Und gestern wurde es mir zu viel. Am liebsten würde ich alles wegwerfen und neu beginnen, ganz so hirnrissig bin ich dann doch nicht. 

Aber meine Pläne von 2016, mit einem Wohnmobil oder nur Rucksack und Zelt in Deutschland und Europa rumzureisen rückt wieder in den Fokus. Minimalistisch leben interessiert mich seit Jahren, dabei noch unser wunderschönes Land kennen zu lernen ist ein Traum. Am liebsten würde ich mich aus meinem Wohnprojekt (Betreutes Wohnen)  kündigen, einen Camper kaufen und los fahren, mir würde dann aber der finanzielle Halt fehlen. 

Ich bin erwerbsunfähig – und das mit24, ist aber ein anderes Thema – kann nicht mehr als 3h pro Tag arbeiten und werde vom Staat bezahlt. Sollte ich nun auf Reisen gehen, fällt das Geld für die Miete weg – einen Camper muss ich dann doch stehen lassen. Dann doch nur mit dem Zelt reisen? 

Mein bisheriger Konsum äußert sich in etwa so: 50% Autofahren, 30% unnötig viel essen und 20% für elektronische Geräte ausgeben (die ich dann doch kaum nutze). Ich werde ausmisten und meinen Konsum stark reduzieren, denn jeden Tag den ich weiter so lebe werde ich kotzend verlassen. 

2 Seiten der Medaille

Bin ich wieder wutentbrand aufgewacht, mein Mitbewohner schreit das ganze Haus zusammen. Stand kurz vor dem austicken, besinne ich auf die positiven Dinge im Leben und mach mir schöne Musik an.

15 Jahre hatte ich eine zum Teil tiefste Depression, damals konnte ich nach so einer Störung meiner Ruhe tagelang keinen klaren Gedanken fassen. Heute ist es nach 30-45 Minuten vorbei. Mir vor Augen zu führen wie gut es mir eigentlich geht und wie schlecht es mir mal wirklich ging hilft mir beim Verarbeiten.

Wir sagen immer “ich verstehe dich, hör trotzdem auf damit”, bis ich die Gegenseite solcher Momente kennen lernte wusste ich nicht, dass hinter diesem Satz nicht nur der Wunsch nach Ruhe klingt sondern auch das Wissen des jenigen, was er selbst erlebt hatte. Heute kenne ich beide Seiten der Medaille. Depression ist so unglaublich schwer, weil man nicht begreifen kann, dass die anderen einem nur helfen wollen – wirklich! Habe ich mich doch jahre lang mit der Frage gequält, ob, wann und wer mich lieben wird oder ob ich der einsamste Mensch der Welt bin, kann ich heute sagen das diese Gedanken quatsch sind, sie in diesen Momenten aber real sind und wir, denen es besser geht, nicht verachtend auf die herunter schauen sollten, welche sich immer noch mit dieser Frage quälen.

Jeder Mensch gehört auf diese Erde, mal mehr, mal weniger ist uns das bewusst. Uns bleibt der Versuch jeden Tag daran zu denken, zu begreifen wie schön das Leben doch ist und nicht die anderen, sondern wir an unserem Glück und Unglück schuld tragen. Für Menschen mit Depression ist dieser Satz so gehässig unwillkommen und unverständlich, denn ihre Welt besteht nur aus dem lauten etwas und dem schwarzen Sehen!

Ich möchte euch auf dieses Defizite aufmerksam machen. Das Defizit nicht zu erkennen, das Defizit nicht zu begreifen und das Defizit unserer Gesellschaft den Umgang mit solchen Menschen (also eigentlich jedem von uns) zu verwerfen. Depressive gehören in die Klapse und Gesunde sind nur Geschichte – Depressive sind schwer krank und brauchen hilfe. Gesund ist ein Fremdwort für den der glücklich ist. Diese 2 Seiten der Medaille.

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