Es ist kaum zu glauben, aber Tom mag scheinbar Tee genauso gerne wie ich. Als ich ihm meine hellbraune, mit dem Schriftzug „Tee“ verzierte Teekiste gezeigt hatte funkelten seine Augen wie bei einem Kind an Weihnachten. „Du hast auch persischen Tee? Das hier ist mein Lieblingstee!“ Tom zog einen Teebeutel aus der Kiste, hielt ihn vor meine Augen und grinste dabei. Er hatte meinen Lieblingstee herausgezogen. Ich grinste zurück. Während ich uns den persischen Tee in zwei blauen Becher aus Porzellan in der Küche zubereite streift er durch mein Wohnzimmer und sieht sich meine Deko und meine Musiksammlung an. Hier steht jedoch nur der kleinste Teil meiner fast 1500 CDs & DVDs. Mein Wohnzimmer ist mit vielen hellbraunen Regalen aus Holz bestückt. In der einen Ecke steht mein rosafarbenes Sofa mit einem gläsernen Wohnzimmertisch davor. Vor einigen Monaten hatte ich mir eine neue Wohnwand besorgt um meinen Fernseher und meine Stereoanlage unter zu bringen. Daneben sind viele DVDs sortiert nach Titeln in einem Regal aufgestellt.  Meine Fenster sind geschmückt mit Lichterketten und auf dem Fensterbrett stehen meine Blumen. Den Boden hatte ich vor 2 Jahren durch einen feinen, hellgrauen Teppich ausgetauscht. Nun war es auch in der kalten Jahreszeit mollig warm und die Füße froren nie.

Als ich den Tee gerade eingoss vernahm ich aus dem Wohnzimmer die wohltuende Stimme meines Nachbarn.
„Du hast ja eine gigantische Sammlung an Musik. Schon einiges dabei, was mir gefällt.“ Ich grinse in der Küche vor mich hin und frage, ohne mich umzudrehen „Welche denn zum Beispiel?“ Doch ich höre keine Antwort.

Ohne es zu bemerken steht er plötzlich neben mir. Als ich mich umdrehe, um ihm die Tasse zu bringen sehe ich in seine funkelnden Augen. Der Anblick fasziniert mich so sehr, dass ich erstarre. Er nimmt mir die Tasse ab und lacht während er zu meinem Sofa im Wohnzimmer geht. Da ist es wieder, sein wohltuendes, fast magisches Lachen. Ich hatte es schon öfter gehört, als ich auf dem Balkon saß und er in seinem Garten die Beete pflegte oder zur Musik von Fabian Wegerer tanzte. Ein Künstler, welcher mir schon öfters im Radio begegnete und welchen ich aufgrund Toms Tanzeinlagen erst so richtig bewusst höre. Eine wunderbare Stimme mit viel Bewegung in seiner Musik.

Tom setzt sich auf das Sofa, sieht mich grinsend an und beginnt wieder zu sprechen: „Ja, in der Musiksammlung sind mir Joel Brandenstein aber auch Xavier Naidoo aufgefallen. Und dieser eine Künstler, dessen Musik ich wirklich sehr liebe. Den Nelio. Davon hast du auffallend viele Platten hier.“ Kaum bin ich aus meiner Starre seines Anblickes entkommen wartet schon die nächste auf mich. Er hat tatsächlich diese Alben entdeckt? Ich bin mir gar nicht mehr so sicher ob die Platten wirklich hier im Wohnzimmer stehen. Ohne es zu auffällig wirken zu lassen suche ich mit den Augen meine Regale ab und finde sie tatsächlich. Eins, zwei, drei, nein sogar vier Alben von Nelio stehen hier. Habe ich diese doch eigentlich in meinem Musikzimmer verstaut, so dachte ich es jedenfalls. Tom fallen wohl meine Blicke auf und er versucht ihnen zu folgen. „Sag, was suchst du?“

„Ähm,…ich,….ich suche nichts.“ Nun bin ich doch aufgeflogen. Ich setze mich schnell aufs Sofa und versuche an meinem Tee zu nippen, doch dieser ist viel zu heiß. Wie peinlich ist das jetzt. Habe ich doch ganz offensichtlich etwas gesucht und ihn jetzt auch noch angelogen. Das kann ich so nicht stehen lassen. „Ich habe die Alben von Nelio gesucht, ich dachte diese wären in einem anderen Zimmer.“ Tom mustert mich. Sieht sich mein Gesicht von der Seite genau an. Dann grinst er wieder, pustet in seinen Tee und beginnt zu lachen. Sein Lachen steckt an und ohne, dass ich einen Grund dafür sehe lache ich nun auch.

Nach einer Weile sieht er sich um. „Du hast so ein schönes Haus, wohnst du hier allein?“ Schon wieder eine dieser Fragen, welchen ich so gerne entfloh. Haben sie mich doch schon allzu oft in Erklärungsnot gebracht. Ohne mich zu outen, wäre es nämlich nur schwer möglich meist folgende Fragen wie ‚Was arbeitest du?‘ oder ‚Wie kannst du dir das leisten?‘ zu beantworten. Ich zögere also bevor ich antworten kann.

„Weißt du, ich habe oft Gäste und dann bin ich gar nicht mehr allein. Und wenn meine Familie hier ist, dann bin ich auch nicht allein.“ Tom sieht mich fragend an. So als habe er das was ich gerade gesagt habe, nicht verstanden. Doch er sagt nichts, blickt in seinen Tee, probiert einen Schluck und empfindet ihn für noch zu heiß. Dann beginnt er zu sprechen.

„Ja, ich kenne das. Bei mir sind auch Freunde und Verwandte zu Besuch. Aber abends,“ er legt eine Pause ein und überlegt. „..da gibt es diese Momente wo ich mir dann jemanden wünsche, der nicht mehr geht.“

Meine Augen folgen bei jedem seiner Worte den Lippenbewegungen. Innerlich bin ich noch so angespannt, weil er einfach mein Traumtyp ist und jetzt direkt neben mir sitzt. Sein Lächeln, seine Stimme, ja sogar wie er sich vorhin auf das Sofa setzte oder durch mein Wohnzimmer schweifte. All das fasziniert mich.