Mein Weg 2 – Jobsuche

Lieber Leser,

heute mag ich dir von meiner schweren und leidigen Suche nach einem Job für mich berichten. Wie es ist, wenn einem der Staat nichts mehr zutraut und dich in die Rente abschieben möchte. Und davon wie ich nie aufgab zu kämpfen.

Im Sommer 2009 habe ich meinen Hauptschulabschluss bei einer Förderschule absolviert, dass mich dies handicapte war mir damals nicht bewusst. So schloss ich meinen Abschluss mit einem Schnitt von 2,73 ab und begann mich darauf zu besinnen, was ich werden wollte. Seit Kindheitstagen an war es mein größter Wunsch und Traum Busfahrer zu werden. Die großen Fahrzeuge und Menschenmassen bewegen – bereitet mir auch heute noch Gänsehaut. Vor Freude versteht sich!

2010 absolvierte ich ein 3-monatiges Praktikum bei den Stadtwerken und machte mich gut – wie ich befand. Jedoch sprach ich noch viel zu wenig, war scheu und verstand vieles noch nicht. So beendete ich das Praktikum und machte danach fast 1 Jahr lang nichts. Nur eine BVB und diese hasste ich. Denn man riet mir immer, etwas anderes zu werden. Ich solle lieber ins Büro, in die IT, ins Lager, in Verkauf aber doch bitte nicht mit Fahrzeugen fahren.

2011 erfolgte ein Umzug in meine erste eigene Wohnung und ein Ortswechsel. Im Internet fand ich die Anzeige einer Spedition, welche noch Azubis für den Beruf Berufskraftfahrer (LKW) suchte. Ich bewarb mich und begann 2 Wochen später meine erste Berufsausbildung. Es war hart, die Kollegin fordernd, die Mitazubis oft verständnislos. Ich war wieder dieser eine Sonderling mit dem keiner etwas zu tun haben wollte. Meine Arbeit ließ nach Wochen stark nach und man warf mich im 2. Monat raus.

Da war ich wieder – allein, nutzlos, niemand verstand es – auch ich nicht. Nach einem Jahr begann ich eine Ausbildung im geschützten Rahmen, sogenannter 2. Bildungsweg, für Menschen mit Behinderung. Ohne eine Diagnose zu besitzen. Nach 9 Monaten verlor ich auch diese Arbeitsstelle und man riet mir zur Autismus-Diagnose. Ich bekam diese Diagnose später auch. Geholfen hatte sie mir nicht bei der Arbeitssuche.

Dem Jobcenter war ich eine Last, so ließ man mich mehrmals oft Monate lang einmal im Monat antreten um mir dann zu sagen, dass ich zu behindert sei und man nichts für mich tun könne.

Da ich aber nicht aufgeben mochte versuchte ich es als Taxifahrer. Die Prüfung mit Bravour bestanden folgte eine 3-wöchige Arbeit an deren Ende ich eine fristlose Kündigung erhielt. Wenige Tage später wollte mir die Stadt den Taxischein entziehen, da ich ja Autist sei und somit gar nicht fähig. Ich kämpfte Monatelang dafür, meinen Taxischein behalten zu dürfen und gewann. Doch seit diesem Tag habe ich nie wieder ein Taxi bewegt. (Der Schein ist noch bis 2020 gültig).

Und wieder stand das Jobcenter da und zwang mich zu Maßnahmen die mir nichts brachten außer meine Depression zu befeuern. Sie ließen mich antreten und sagten mir mit gerade einmal 22 Jahren, dass es für mich keinen Beruf gäbe und ich doch bitte endlich in Rente gehen solle! Ja, das haben die mir wirklich gesagt! Ein Jahr später bekam ich Grundsicherung wegen Erwerbsminderung und darf seit dem nicht mehr als 3h/Tag arbeiten. Meine Situation beschrieb ich einmal ironisch mit: “Ich bin staatlich geprüfter Steuergeldverschwender im Master-Modus.”

Und dann kam 2018, Juli 2018. Ich las eine Anzeige im Internet: es werde eine EDV-Kraft für 20h/Monat im Martinsclub gesucht. Ich bewarb mich, bekam die Stelle und bin dort seit über 1 Monat festangestellter Mitarbeiter. Mit Gehalt, mit festem Vertrag, netten Kollegen, genau das was ich kann und was ich mag. Ich bin sehr glücklich!

Ach und liebes Jobcenter: FICKT EUCH!

Mein Weg 3 – bald….