Liebe Leser,

vor etwa zwei Wochen entdeckte ich durch Zufall ein altes Facebook-Konto von mir. Als ich las was da stand musste ich mich fast übergeben. Bei manchen Posts dachte ich ernsthaft, diese wären niemals von mir verfasst – doch sie waren es. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich mich an die meisten dieser Postings nicht erinnere und fast alles was ich damals wohl schrieb heute zu tiefst bereue.

Las ich meinen Freunden und meiner Freundin diese Posts und Messages vor, so bekam ich nur ein ungläubiges “Das bist du nicht” zurück. Scheinbar habe ich mich um mindestens 180° gedreht. Nun machte ich mir tagelang Gedanken dazu und ziehe nun ein Fazit. Bevor ich jedoch näheres erläutere möchte ich mich bei allen Entschuldigen die diese Art von mir in der Zeit zwischen 2009 und 2014 abbekommen haben. Ich schäme mich zutiefst dafür und würde so etwas heute nicht mehr schreiben. Vielleicht könnt ihr mir verzeihen.

Doch, was genau wurde auf diesem und einem weiteren Profil eigentlich geschrieben? Warum schäme ich mich so? Nun gut, mir fällt dieser Schritt nicht leicht, aber ich möchte zeigen wie sehr sich ein Mensch in 5 Jahren ändern kann. Daher hier eine kleine Erläuterung.

Obszöne Wortwahl

Das erste was mir auf dem Profil auffiel war meine zum Teil extrem obszöne Wortwahl. So beschrieb ich Frauen scheinbar grundsätzlich als Weiber, beleidigte sie als Nutten und jeder der meiner Meinung im Weg stand wurde auf’s übelste beleidigt, teilweise bedroht. Es ist für mich unbegreiflich wie ich damals schrieb und mag dies auch nicht mehr lesen. Klar, jeder hat mal einen schlechten Tag und wird ggf. mal ausfällig. Doch dieses Verhalten betonte jeglichen Grundkontext meiner Wortwahl. So schrieb ich auch in den zig Messages (es sind deutlich mehr als 1000 verschiedene Kontakte gewesen) in diesem hässlichen Stil.

Frauen sind genauso ein Teil unserer Gesellschaft und haben es genauso verdient gerecht behandelt zu werden. Dies ist meine heutige Meinung. Wenn ich mit jemanden Streit beginne beende ich diesen (meistens) frühzeitig und versuche meine Wut anders heraus zu lassen. Daher findet man solche Konversationen in meinen heutigen Profilen nur noch selten.

Vorverurteilung

Was mir auch auffiel waren meine Vorverurteilungen in diversen Posts und Kommentaren. In privaten Nachrichten genauso. So verurteilte ich jeden deren Meinung nicht meiner eigenen entsprach. Jeder der anders dachte bekam, wieder in obszönen Worten, meinen Hass ab. Dieses Verhalten habe ich selbst früher immer gehasst und wollte jeden so nehmen wie diese Person ist. Scheinbar gelang mir das nicht und meine Wut bekamen dann alle ab.

Mir ist heute eine offene, freilebende und gleichberechtigte Welt wichtig. Jeder Mensch darf so sein wie diese Person es möchte (so lange es nicht kriminell, verletzend wird). Was mich damals dazu bewegte kann ich heute nicht nachvollziehen.

Meckern, meckern, meckern

Etwas, dessen ich mir heute bewusst bin, wollte ich damals jedem Vorwerfen: das Unverständnis meiner Situation. Dazu muss man sagen, dass ich heute weiß, wie wenig ich selbst von mir und meiner Situation verstand. Ich verurteilte jeden der nicht verstand wie katastrophal es war, wenn etwas nicht funktionierte. Kurzum: ich meckerte. Meine obszöne Wortwahl wurde von meinem gemeckert noch unterstützt – gesamtheitlich ist es heute sehr schwer diese zu ertragen.

Was hat sich noch geändert?

Ich überlege mir viel öfter wie eine Situation ist, wie sie für andere sein könnte und wie viel es ausmacht sich darüber aufzuregen. Erst danach flippe ich aus und verzieh mich in meine Ruheecke zurück. Ich bin selten noch aggressiv und vor allem nicht mehr gegen andere. Wenn doch, dann schäme ich mich dafür sofort und bringe diese Scham auch zum Ausdruck. Generell möchte ich wirklich, dass jeder Mensch eine gewisse Ruhe in meiner Umgebung bekommt. Auch wenn ich das hier mit dem Wissen schreibe, wie ich einst war, habe ich keine Ahnung wie vielen Menschen ich da draußen wirklich weh getan habe. Ich kann es nur schätzen – und bei jeder Schätzung wird mir schlecht.

Verzeihen ist ein großes Stichwort, so verzeih ich mir viel viel öfter Fehler und verzeihe anderen Menschen wenn sie etwas tun, was mich aus der Fassung bringt. Generell bin ich um einiges ruhiger geworden, achte mehr darauf was andere möchten und akzeptiere dies auch dann wenn es meiner Meinung widerspricht.

Was lerne ich daraus?

Grundsätzlich: Jeder Mensch kann sich verändern. Persönlich: Mehr auf mich und andere achten und jeden so wertzuschätzen wie diese Person für mich wirklich ist.

 

Ich wünsche allen die das lesen ein schönes Wochenende!

euer Timo